Titelgeschichte 3/2014

Diana Körner – Momentaufnahmen eines Künstlerlebens

Sie ist am 24. September 1944 in Magdeburg geboren. Ihr Leben ist ein buntes Wechselspiel aus Familie, Fernsehen, Film und Bühne. Da sind 70 Jahre kein
Alter, um auch nur einen einzigen Gedanken an das dominante Wort Ruhestand zu verwenden. Wir
wollen mehr erfahren und beginnen mit der Frage
nach einem Kindheitserlebnis besonderer Prägung.

Schauspielerin Diana Körner mit Tochter Jenny Joy und Enkel Aaron.

Fotos: © Barbara Ellen Volkmer

GiD: Hatten Sie ein besonderes Kindheitserlebnis?

DK: Ort der Handlung ist der Magdeburger Hauptbahnhof. Die Geschichte: Ich stehe mit meiner Mutter, meinem Bruder, meiner Schwester und zahlreichen Gepäckstücken und Taschen auf dem Bahnhof. Es ist die Zeit der DDR, in der man noch nach Westberlin fahren kann. Meine Mutter packt alles zusammen, und für mich ist es die erste große Reise. Aus Angst, dass etwas verloren gehen könnte, zählen wir immer wieder die einzelnen ­Teile. Dann geht es los, im Abteil erhalte ich meine erste mir bis dahin unbekannte Banane und beiße hinein. Noch nie habe ich ein Obst erlebt, das eine so dicke Schale hat! So sammelt man Erfahrungen mit der neuen Welt.

 

GiD: Wann entstand der Gedanke, Schauspielerin zu werden?

DK: Mit 9 Jahren. Ich war in der Aufführung der Heiligen Johanne von Bernhard Shaw und habe verkündet: „Was die da oben macht, das möchte ich auch machen.“ Und ab diesem Tag bin ich zielbewusst auf die Sache losgegangen. Ich habe mit 13 Jahren eine Eignungsprüfung gemacht, in der sie bestätigten, dass ich entsprechend befähigt bin, und sie haben zurückgeschrieben, dass ich doch erst die Schule beenden und dann wieder auf sie zurückkommen solle.

Damals waren der Buchwitz und die Lola Müthel im Prüfungsausschuss. Und ab da habe ich konsequent mein Ziel verfolgt und bis heute eine fast unüberschaubare Fülle von Rollen gespielt, sei es auf der Bühne, im Film oder im Fernsehen.

GiD: Und Ihre Leitbilder?

DK: Oskar Werner habe ich wahnsinnig verehrt, auch Therese Giese, oder Vivien Leigh. Ich habe „Vom Winde verweht“ glaube ich 13 mal gesehen – ein unglaubliches Erlebnis! Das waren die Menschen, die ich aus der Ferne erlebte, in irgend­einer Form wollte ich es auch so machen.

GiD: Ihre Familie ist sehr ansehnlich: 2 Kinder, 5 Enkelkinder, dazu die entsprechenden Partner. Da kommt man schon ins Getriebe. Sind Sie ein Familienmensch?

DK: Total. Die Familie ist grundsätzlich etwas ganz Tolles. Die Familie ist die kleinste politische Zelle. Und wenn es da nicht funktioniert, wie soll es im Großen funktionieren?

GiD: Kostet es Sie viel Zeit, viele ­Opfergänge, sich in die Familie einzubringen?

DK: Opfergänge will ich nicht sagen – aber Zeit kostet es schon. Auf der anderen Seite ist auch das wichtig. Was würden Sie denn machen, wenn Sie die Familie nicht hätten? Man würde sich um seine eigene Achse drehen und ständig über sich selbst nachdenken.

GiD: Was halten Sie von dem zunehmenden Alter? Wo gibt es Probleme, wo sind die Lösungen?

DK: Da gibt es überhaupt keine Probleme. Ich habe meine jungen Jahre gelebt. Wenn ich älter bin und nicht jung gewesen wäre, dann hätte ich ein Problem. Viele Menschen haben ihre Schwierigkeiten in jungen Jahren, weil sie in dieser Zeit ihre Probleme nicht lösen können, und die haben sie dann auch verstärkt im Alter.

GiD: Und wie halten Sie es mit der Religion?

DK: Na ja, ich bin ein gläubiger Mensch. Bei mir sind alle Symbole der Welt vertreten. Die hängen, stehen, liegen, sitzen im Garten, bis zum Flur, also überall habe ich sie, so dass jeder, der zu mir kommt, sein Glaubenssymbol wiederfindet. Ich denke, es gibt nur einen Gott. Wie man an ihn herankommt, wie man ihn benennt, ist eine persönliche Angelegenheit. Für mich ist die momentane Situation unbegreiflich, und ich kann überhaupt nicht verstehen, wie man in heutiger Zeit Religionskriege anfangen kann.

GiD: Was stehen jetzt für Pläne und Aufgaben an?

DK: Also – da bin ich froh, wenn ich jeden Morgen glücklich aufwache und gesund bin, und ich hab effektiv so viel zu tun, dass mein Tag vom Morgen bis zum Abend ausgefüllt ist. Ich hab viel aus dem Plan herausgenommen, fahre bewusst Zug und lese dabei nicht, lasse meine Gedanken laufen, denke über die Dinge, die anstehen, die ich erledigen sollte, möchte oder muss, wie ich sie time. Meine Zeit ist total ausgefüllt. Morgen drehe ich nochmal, und dann mache ich Urlaub, fahre nach Venedig und nehme mir Zeit. Dann werde ich mich für meine nächste Rolle in den Bergen vorbereiten.

GiD: Hat sich Ihr Leben in den ­vergangenen 10 Jahren wesentlich verändert?

DK: Seit ich eine sogenannte Rentnerin bin, habe ich viel mehr zu tun.

GiD: Setzen Sie neue Schwerpunkte?

DK: Nein, ich habe so viel zu tun mit dem ständigen Drehen und den Kindern, da bleibt kein Platz für neue Schwerpunkte.

GiD: Welche Periode Ihres Lebens war die glücklichste?

DK: Mein ganzes Leben war glücklich. Grundsätzlich möchte ich sagen, ich bin wahnsinnig dankbar für die Zeit, in der ich so leben konnte, ohne Diktat aufzuwachsen, ­ohne bestimmende Menschen um mich herum.

Man hat mir die größte Freiheit gelassen, ich konnte entscheiden, wie ich wollte, man hat mich nicht zu irgendetwas gezwungen, dafür bin ich unendlich dankbar.

Diana Körner mit Tochter Lara Joy und Enkel David in London.

 

Diana Körner mit ihrem ­Lebensgefährten Erich Müller in Side Türkei. Picknick am Strand bei Sonnenuntergang.

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