Titelgeschichte 2/2015

Jutta Speidel – 
ihre Erfolge, ihre Familie,
ihre Wünsche

„Es geht wieder los! Ich bin zu verschiedenen Drehs
­unterwegs!“ So lautet die Botschaft auf ihrer Homepage. Aber eigentlich geht es ein Leben lang
bei ihr immer los.

Jutta Speidel – 
in eigener Sache …

Seit über 18 Jahren hilft HORIZONT e.V. wohnungs-
losen Kindern und deren Müttern schnell und unbürokratisch. Im HORIZONT-Haus können sie zur Ruhe kommen und finden so lange eine Heimat auf Zeit, bis sie ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen können. Einzigartig ist dabei unser ­sozialpädago-
gisches Fachteam, das die Kinder und Frauen darin unterstützt, Probleme beherzt zu bewältigen und sich mutig zu entfalten. In jeder Krise steckt eine ­Chance – ­HORIZONT hilft, diese zu entdecken und zu leben.

Schauspielerin Jutta Speidel.

Foto: © Barbara Ellen Volkmer

Fotos: © Barbara Ellen Volkmer

Sie startet vor 61 Jahren am 26.03. 1954 in München. Glückliche Eltern nehmen sie liebevoll in die Arme, behüten und begleiten ihre Kindheit und Jugend.

Bereits mit 15 Jahren zeigt sich in zahlreichen Filmen, in denen sie vor der Kamera steht, ihr schauspielerisches Talent. Nach absolvierter Schauspielschule beginnt eine endlos wechselnde Kette von Engagements im Theater, in Film und Fernsehen, der Synchronisation und in der Herausgabe von Büchern und Hörbüchern. Es sprudelt aus ihr ­eine ständige Quelle neuer Ideen, Gedanken und Aktivitäten.

Von zahlreichen Auszeichnungen sind hier nur einige zu nennen:

Bambi, „Bravo-Otto“ in Gold und Silber, Hersfeld-Preis, Goldene Europa, Bayerische Staatsmedaille für soziale Verdienste und das Bundes-
verdienstkreuz.

Ihren zwei Töchtern – Franziska und Antonia – hat sie ihre Talente separiert vererbt. Franziska hat ihre soziale Seite erhalten. Sie arbeitet als Tierheilpraktikerin und Erzieherin, vermittelt therapeutisches Reiten und führt das Projekt der Mutter, „Horizont e.V.“ weiter. Tochter Antonia hat sich für die künstlerische Laufbahn entschieden. Sie hat eine Ausbildung als Opernsängerin absolviert.

1997 gründete Jutta Speidel den gemeinnützigen Verein „HORIZONT e.V.“, der obdachlosen Müttern und deren Kindern Beistand leistet und Zuflucht gibt (siehe nachfolgende Seiten). In einem eigens dafür – mit Unterstützung der Bevölkerung durch Spendengelder – erbauten Haus, werden die Betroffenen aufgenommen, in auf ihre Bedürfnisse angepassten Appartements untergebracht und in den folgenden Monaten (die Verweildauer beträgt durchschnittlich 18 Monate) von Sozialpädagogen, Therapeuten, Medizinern ­sowie notwendigem geschulten Fachpersonal betreut und auf ein selbstbestimmtes und selbstverantwortliches Leben in gesicherten Verhältnissen vorbereitet und begleitet.

Dabei ist der Verein auf viele ehren­amtliche Helfer, sozialbewusste Unternehmer, die z.B. Arbeitsplätze und Lehrstellen zur Verfügung stellen, und permanente Spenden aus Bevölkerung und Wirtschaft angewiesen. Ohne diese tägliche Unterstützung, wäre die notwendige Arbeit mit den entsprechenden positiven Ergebnissen nicht zu leisten.

Ausführlichere Informationen zu unserer Philosophie und unserer pädagogischen Arbeit können Sie der HORIZONT-Broschüre entnehmen, die Sie sich als pdf-Datei auf unserer Homepage unter www.horizont-ev.org herunterladen können. Zur schnellen Übersicht können Sie sich darüber hinaus dort unseren Kinospot ansehen. Um unsere kleinen und großen BewohnerInnen bestmöglich zu schützen, geben wir die Adresse des Hauses im Münchner Norden auf diesen Seiten nicht bekannt. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an die Geschäftsstelle.

 

Unsere Kinder und Mütter

Im HORIZONT-Haus nehmen wir wohnungslose Mütter mit mindestens einem Kind auf. Unsere Bewohnerinnen kommen nicht nur aus Deutschland, sondern aus allen Teilen der Erde und bereichern unser Haus mit ihren kulturellen Besonderheiten. Leider haben unsere ­Kinder und Mütter zu wenig Respekt, Zuwendung und Fürsorge erfahren. Daher setzt sich das sozialpädagogische Fachteam mit ganzer Kraft dafür ein, das Selbstwertgefühl seiner Bewohner zu stärken. Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe, damit die Familien möglichst schnell ihr Leben neu ausrichten und wieder ein eigenverantwortliches Leben führen können.

Durchschnittlich beherbergt das HORIZONT-Haus rund 70 Personen, davon um die 45 Kinder aller Altersstufen. Nur wenige der Frauen sind berufstätig, viele Bewohnerinnen benötigen mehr Deutschkenntnisse und Wissen um unsere kulturellen Gepflogenheiten, um ihr Leben gut organisieren zu können.

HORIZONT und seine Räume

Das HORIZONT-Haus bietet 24 Appartements, in denen die Mütter mit ihren Kindern eigenständig leben. Jedoch sind 24 Stunden am Tag an 365 Tagen des Jahres Ansprechpartner verfügbar, die Probleme lösen helfen. Zwei Zimmer sind für Notfälle reserviert, die ohne Anmeldung vor der Tür stehen. Bis geregelt ist, wo die Betroffenen eine langfristige Bleibe finden, sind sie erst mal darin gut untergebracht.

Die meisten der Frauen sind bitterarm und ihre Habseligkeiten passen in eine Plastiktüte. Deshalb sind die 24 Wohnungen bereits möbliert und beim Einzug mit dem Notwendigsten ausgestattet. Die möblierten Ein-, Zwei- und Drei-Zimmerwohnungen verteilen sich auf sechs ­Etagen. Alle Wohnungen verfügen über einen geräumigen Küchen- und einen eigenen Badbereich.

Nach dem Passieren der Pforte lädt ein Foyer zum Verweilen ein. Büro- und Betreuungsräume, Schulungs- und Kreativbereiche, Multifunktions- und Therapieräume und ein Garten mit Spielplatz runden das räumliche Angebot ab.

 

Optimale Betreuung

Zum Wohle aller kleinen und großen BewohnerInnen ist das HORIZONT-Haus mit allen wichtigen Einrichtungen vernetzt. HORIZONT e.V. verfügt über sehr gute Kontakte zur Schulsozialarbeit, Allgemein- und Fachärzten, Psychologen, Dolmetschern und sonstigen Fachdiensten. Regelmäßige Besuche einer Ärztin helfen, seelische und körperliche Probleme bei den Kindern und Müttern frühzeitig zu erkennen und entsprechende Gegenmaßnahmen vorzunehmen.

Bei Bedarf bieten wir auch eine Nachbetreuung an. So können sich die Kinder und Mütter auch nach ihrem Auszug mit ihren Sorgen an „ihr“ Fachteam wenden und erhalten gezielt die Hilfe, die sie zum selbstständigen Leben brauchen.

 

Das interdisziplinäre Fachteam

Das pädagogische Fachteam besteht aus drei Sozialpädagoginnen, einer Kunsttherapeutin, einer Erzieherin und einer Heilpädagogin. Ansätze, Denkweisen sowie Methoden der verschiedenen Fachrichtungen arbeiten Hand in Hand und werden zum Wohle der Betroffenen kombiniert.

Während die Sozialpädagoginnen den Müttern in alltäglichen Dingen des Lebens mit Rat und Tat zur Seite stehen (z.B. Umgang mit Behörden, Erziehungsfragen...) und die Kinder in der Hausaufgabenbetreuung umsorgen, bietet eine Erzieherin im hauseigenen Gruppenraum eine Kleinkindbetreuung an. So haben die Frauen beispielsweise Zeit, Deutschkurse zu besuchen oder Amtsgänge zu erledigen. Eine Heilpädagogin arbeitet mit den ganz Kleinen im Frühförderbereich, und eine Kunsttherapeutin wird da aktiv, wo die Seele neue Ausdrucksmöglichkeiten braucht. Die Organisation aller Abläufe und die administrativen Anforderungen liegen in den Händen der Hausleitung.

 

Auch ehrenamtliches Engagement erwünscht

Ergänzt wird das Team durch ehren­amtliche MitarbeiterInnen, diverse

Honorarkräfte sowie PraktikantInnen. Für die Haushygiene und Ordnung sorgen eine Reinigungskraft und unser Hausmeister.

Aber wir benötigen immer helfende Hände! Die Betreuung von Kindern oder die Begleitung von Frauen sind nur zwei Bereiche von vielen, bei denen Sie gerne Ihre Fähigkeiten einbringen können.

Vielleicht möchten Sie uns auch im Tag- oder Nachtdienst oder im Verwaltungsbereich unterstützen? Oder Sie haben Talent für leichte Renovierungsarbeiten?

Egal wofür Sie sich entscheiden: Wir freuen uns auf Sie!

 

Info-Adresse:

HORIZONT e.V.
Fürstenstraße 5, 80333 München

Tel. 089 / 2 38 88 39-0
Fax 089 / 2 38 88 39-11

 

Spendenkonto:

HORIZONT e.V.
HypoVereinsbank München

Konto 35 60 12 0000
BLZ 700 202 70

IBAN: DE13700202703560120000
BIC: HYVEDEMMXXX

Das Interview

GenDia: „Durch welche Grundsätze, Maßnahmen und Freiräume haben Ihre Eltern Ihnen die Voraussetzung für die Erlebensfähigkeit eines so ­aktiven und farbenreichen Lebens geschaffen?“

Jutta Speidel: „Durch die berufliche Inanspruchnahme meiner Eltern blieb mir viel Raum und Zeit für die Entwicklung der eigenen Fantasie, der Gedanken, der Träume. Es war ein großes Geschenk.“

 

GenDia: „Sie haben 2 Töchter und Sie sind weitgehend alleinerziehend und beruflich ständig abwesend. Aus welchem Material besteht der Ariadnefaden, durch den Sie bis ­heute miteinander verbunden sind?“

JS: „Es ist die Liebe füreinander, es ist das bedingungslose Vertrauen, es ist das gegenseitige füreinander da sein. Dieser Dreiklang bildet die harmonische Basis einer wunderbaren Gemeinsamkeit.“

 

GenDia: „Wenn Sie einen Wunsch frei hätten – oder vielleicht auch drei – wir möchten sie gern wissen.“

JS: „,Feliccima Notte’ ist der Titel einer Abendveranstaltung, die ich zur Zeit gemeinsam mit meiner Tochter Antonia durchführe. Sie übernimmt, als ausgebildete Opernsängerin, begleitet von einem Pianisten, den musikalischen Teil, ich gebe dem Wort seinen Stellenwert. Ich wünsche mir sehr, dass dieses gemeinsame Programm erfolgreich ankommt.

Zur Zeit sind wir dabei, für den Verein „HORIZONT e.V. ein zweites Horizonthaus zu bauen, mit 48 Woh­nungen und entsprechenden sozialpädagogischen Einrichtungen. Zur Durchführung dieses neuen Hauses brauchen wir viel Hilfe, viele Helfer und viel Unterstützung. Ich wünsche mir von ganzem Herzen ein gutes Gelingen unserer Aufgabe.“

 

GenDia: „Und vielleicht zum Abschluss noch das aufregendste ­Erlebnis Ihres Lebens?“

JS: „Das aufregendste Erlebnis waren die Geburten meiner Töchter.“

Jutta Speidel bei der Verleihung der Bayerischen Staatsmedaille für soziale Verdienste.

Jutta Speidel und Fritz Wepper bei den Dreharbeiten der ARD-Serie „Um Himmels Willen“.

Jutta Speidel und Künstler Otmar Alt präsentieren ein ­gemaltes Riesenbild, das er zusammen mit den Kindern aus dem ­Horizont-Haus gemalt hat.

Foto © Barbara Ellen Volkmer

Jutta Speidel freut sich über das

gemalte Bild von Otmar Alt und den HORIZONT-Kindern.

Foto © Barbara Ellen Volkmer

Die Broschüre vom Horizont e.V. kann auf der Homepage heruntergeladen werden. (Grafik/Druck © Stolz)

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