Titelgeschichte 1/2015

Generationen

im Dialog

Christian Wolff – 
seine Liebe, sein Leben,
seine Pläne

Er wurde am 11. März 1938 in Berlin geboren,
absolvierte 1955 bis 1957 an der Max-Reinhart-Schule
ein Schauspiel­studium und erhielt noch im gleichen
Jahr seine erste Hauptrolle. Theater, Film, Fernsehen
und Synchronisation waren seine ­wechsel­seitigen Beschäftigungsprogramme, und bis heute ist er dem ­Metier verbunden. Christian Wolff – wir haben mit
ihm gesprochen, ihm Fragen gestellt, und im Rahmen seiner Beantwortung viele lustige Dinge aus dem
Nähkästchen erfahren.

Schauspieler Christian Wolff
mit seinem Sohn Patrick bei den Dreharbeiten zu „Forsthaus Falkenau“.

Foto: © Barbara Ellen Volkmer

Fotos: © Barbara Ellen Volkmer

GenDia: Was muss man tun oder lassen, um eine so offensichtlich harmonische Gemeinsamkeit zu realisieren, wie sie sich in Ihrer Familie darstellt?

Wenn ich die Frage so einfach beantworten könnte, würde ich Familientherapeut werden und viel Geld damit verdienen. Nein Spaß beiseite, es gibt kein Erfolgsrezept. Meine Frau und ich sind nun 40 Jahre verheiratet, sie ist meine dritte Frau, also war ich schon ein gebranntes Kind. Meine Frau war Witwe, also auch kein Greenhorn, und für uns beide war klar, wir werden diese Ehe bis zum Ende unseres Lebens hinkriegen. Sicher ist es heute nicht mehr diese anfängliche Verliebtheit, aber es ist Liebe und der eine kann nicht ohne den anderen. Sind wir getrennt, was selten der Fall ist, wird dreimal am Tag telefoniert, das ist sicher im Handyzeitalter ein großer Vorteil. Wir gehen sehr liebevoll miteinander um, aber wir streiten auch, was das Zeug hält. Sonst wäre es ja auch langweilig, und das ist es nie.

Morgens lesen wir unsere drei Zeitungen im Bett und da wird dann schon diskutiert, danach auch am Frühstückstisch Wenn Sohn Patrick da ist, ist er natürlich auch mit von der Partie. Da gibt es dann schon unterschiedliche Meinungen, die in erster Linie mit den Generationen zusammenhängen. Wir unternehmen alles gemeinsam, also meine Frau würde nie mit Freundinnen in ein Wellness-Hotel fahren und ich mit Kumpels zum Kegelurlaub. Jetzt spielt die nächste Frage mit rein.

 

GenDia: Wo liegen die gegensätz­lichen Schwerpunkte der Mentali­täten
und wo die ausgleichenden ­Elemente?

Und: Die erfolgreichen Aktivitäten von Vater und Sohn Patrick werden in der Vita dieser Veröffentlichung aufgeführt, es fehlen mir aber noch Informationen über die einzige weibliche Person in der Männerriege, ­Ihre Ehefrau Marina, und von dem offen­sichtlich nicht in die väterlichen Fußtapfen tretenden Sohn Sascha?

Wir lassen uns gegenseitig trotzdem genügend Freiraum, mein großes Hobby ist die Küche, ich koche für meine Frau, wenn immer es die Zeit zulässt, und ich koche für Gäste. Meine Frau betritt nicht mal zum Abspülen die Küche. Sie widmet sich in dieser Zeit ihrem Hobby, dem Lesen. Manchmal ließt sie ein Buch in zwei Tagen. Sie kann übrigens auch diagonal lesen. Da ich nicht mehr so viel arbeite, gehört unsere ganze Liebe unserem Mischlingshund Foxl. Zweimal am Tag gehen wir Gassi und genießen auch sehr die Natur, in der wir leben. Andere machen hier im schönen Chiemgau in Aschau Urlaub, für uns ist es unser Wohnsitz. Wir lieben die tiefverschneiten Hänge, das bunte Herbstlaub an den Bäumen, die Streublumen auf den Frühlingswiesen.

Natürlich haben wir uns im Laufe der Zeit auch sehr miteinander arrangiert. Ich bin immer noch der sehr ordentliche Mensch - sie nennt mich manchmal Pedant - sie ist und bleibt eine Chaotin, die den halben Tag eine ihrer Brillen oder den Schlüssel sucht. Um ein Haar haben wir einmal einen Ferienflieger verpasst, da ihr Pass nicht aufzufinden war. Ich glaube damit ist nun auch diese Frage beantwortet.

Obwohl ich der Koch bin, ist meine Frau natürlich die Seele des Hauses, die zum Beispiel Weihnachten oder Ostern die Räume mit viel Liebe schmückt.

Mein Sohn Sascha, der in München und bei Kitzbühel lebt, schaut an diesen Feiertagen auch immer bei uns vorbei. Die beiden Stiefbrüder lieben sich sehr. Sascha arbeitet in der Medienbranche, besitzt einen entzückenden Labrador Romeo und hat in Kitzbühel gerade eine Hundeboutique eröffnet.

GenDia: Gern würden wir etwas über Ihre persönlichen Wünsche und
Vorlieben erfahren.

Was wünscht man sich in erster ­Linie, wenn man 77 Jahre alt geworden ist? Gesundheit, Gesundheit und nochmals Gesundheit. Vielleicht erleben wir ja auch noch, dass wir Enkelkinder bekommen, bevor wir keine Kraft mehr für diese schöne Aufgabe haben.

 

GenDia: Welche Pläne gibt es zum Thema Theater und Fernsehen für die nächste Zeit?

Mein Sohn, seine Freunde und ich müssen in diesem Jahr den Film „Treppe-Aufwärts“ in die Kinos und auf Festivals bringen. Der Film, den mein Sohn mit Freunden produziert hat, ist uns ein ganz großes Anliegen. Es geht um Spielsucht, und die Drogenbeauftragten der Bundesregierung haben dieses Projekt unterstützt. Ich spiele einen dementen alten Mann, der seine Familie mit seiner Spielsucht ruiniert hat. Sein Sohn, den Hanno Koffler verkörpert, will die Schulden seines Vaters mit Manipulationen von Spielautomaten zurückzahlen. Auch der Enkel, gespielt von Matti Schmidt-Schaller, gerät auf die schiefe Bahn. Dieses Projekt liegt mir sehr am Herzen, da die Spielsucht so noch nicht auf der Leinwand zu sehen war.

Außerdem werde ich wahrscheinlich noch in einem österreichisch-deutschen Spielfilm dabei sein, aber aus Aberglaube sage ich dazu nichts, bevor der Vertrag unterschrieben ist.

Für meinen Sohn und mich sind wir auf der Suche nach einem Theater-stück. Vor zwei Jahren standen Vater und Sohn gemeinsam in „Das Gras ist grüner“ auf der Bühne, das wollen wir gerne wiederholen.

Christian Wolff bei den
Dreharbeiten zu „Forsthaus Falkenau“ im Chiemgau.

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