Titelgeschichte 1/2014

Eine musikalische Familie

„So ist also die Erziehung durch Musik darum die

                vorzüglichste, weil Rhythmus und Harmonie

am tiefsten in das Innere der Seele dringen,

                         ihr Anmut und Anstand verleihen.“

                                                                        Sokrates (469 – 399 v. Chr.)

 

Norbert Studnitzky ist der Musik treu geblieben. Nachfolgend einige Stationen seiner beruflichen Aktivitäten:

Norbert Studnitzky war:

• Gastdirigent bei den staatlichen Philhamonischen Orchestern
in Mährisch Ostrau und Brünn,

• 1. Kapellmeister im Stadttheater Zeitz und Dirigent des staatlichen Vogtlandorchesters in Reichenbach,

• 25 Jahre Dirigent der Staatskapelle und des Jugendorchesters in Neuenbürg.

Außerdem war er Arrangeur und Komponist, arbeitete mit renommierten Verlagen, veranstaltete viele Konzerte im damaligen Schlosshof im Neuenbürger Schloss und ist bis heute ein gefragter Begleiter für Schüler der Jugendmusikschule und für Kirchenkonzerte.

 

Musik als Therapeut und Heiler?

„Immer, wenn ich Stress oder Ärger hatte, war mein erster Weg zum Klavier. Dort konnte ich alles vergessen. So ergeht es mir noch heute. Das beobachte ich auch bei meinen Kindern und meinen Enkelkindern.“

 

Die 2. Generation: Die Tochter Bianca Bachmann

Die Tochter wurde 1974 in Pforzheim geboren. Mit vier Jahren begann sie ihren Weg zum Instrument. Es war aufgrund der väterlichen Präsenz das Klavier. Dies war aber nur der Anfang. Schon sehr bald entdeckte sie ihre besondere Vorliebe zur Blockflöte. Und damit begann ein neues Instrumententhema in der Familie.

Nach der 10. Klasse begann sie ihr Studium an der Hochschule für ­Musik in Karlsruhe. Ihre Instrumentenpräsenz: sämtliche Blockflöten, Violine, Horn und Klavier. Doch ihr Herz hing mit besonderer Liebe an der Blockflöte, die sie – durch ihre besondere Brillanz und die technische Beherrschung – aus dem Bereich des mitfühlend belächelten Instrumentes der ­ersten Kinderstunde in die Höhen ­eines künstlerisch hochwertigen Klangkörpers brachte.

Ein glücklicher Zufall führte sie mit einundzwanzig Jahren zu den Galapagos-Inseln. Dort fand ihre Blockflöte Freunde und Liebhaber in allen Altersgruppen, sowohl durch Unterrichtsstunden, als auch durch Konzertveranstaltungen. Seit 1991 unterrichtet sie an der Jugendmusikschule in Neuenbürg im Fach Blockflöte, und seit 2009 unterrichtet sie in „Musik im Kindergarten“ und in „Singen-Bewegen-Sprechen“ über die Landesförderung SPATZ.

 

Die 3. Generation: Der Enkel Mika Bachmann

Mika wurde 2004 geboren. Bei so viel Musikbeschallung ist man schon im ungeborenen Zustand von Tonwellen intoniert. Mika hat heute Unterricht in den Fächern Tenorhorn und Klavier in der Städt. Musikschule Neuenbürg. Und Klavier auch bei seinem Großvater. Zu den Aktivitäten Musik gehört die Teilnahme an den Schülerkonzerten und in Jugendorchestern der Jugendmusikschule und des ­Jugendmusikvereins Neuenbürg.

 

Die Familie Studnitzky hat in Sachen Musik noch einiges mehr zu bieten. Da gibt es zum Beispiel den Trompeter, Pianist und Arrangeur Sebastian Studnitzky, der weltweit zu den führenden Jazzmusikern zählt. Er arbeitet und lebt in Berlin.

Werden wir irgendwann das Vergnügen haben, diese musikalisch-vielseitige Familie in einer geschlossenen Leistungspräsentation zu erleben?

 

Veranstaltungshinweis „Jazz meets Classics“:

Samstag, 10. Mai 2014, 20 Uhr, Fürstensaal Schloss Neuenbürg,

Klavierduo Borota & Knebel, Matthias Hautsch, Gitarre,

Eintritt: 18,–/10,– Euro.

Kartenreservierung: Schloss Neuenbürg, Telefon 0 70 82/79 28 60

Opa und Enkel am Flügel.

Die Familie Studnitzky:
Opa Norbert, die Tochter Bianca
und der Enkel Mika
beim gemeinsamen Musizieren.

Beginnen wir die Geschichte mit dem Senior, dem Großvater Norbert Studnitzky

Und fragt man nach seinem Vater, seinem Großvater, seinem
Urgroßvater, so zieht sich das Thema Musik wie ein klingender Akkord durch die Lebenszeit dieser Generationen.

Norbert ist 78 Jahre und erinnert sich:

„Eigentlich begann es mit der Abschlussfeier in der Hauptschule in Hultschin in Schlesien. Wir stellten für das Programm aus mehreren Klassen unter meiner Leitung einen kleinen Chor von 15 Schülern zusammen, der sich im Laufe des Jahres auf 80 erhöhte. Es waren nicht nur junge, sondern auch ältere Menschen dabei, und es wurde nicht nur gesungen, sondern gemeinsam Freizeit gestaltet. Aus dem Erfolg und der Freude an dieser Gemeinsamkeit entstand der Wunsch, hier weiter zu machen. Nach einem Jahr gründeten wir ein Orchester, in dem Schüler, Studenten und Erwachsene aus verschiedenen Berufen musizierten und gemeinsame Auftritte, Konzerte und Theateraufführungen gestalteten.

All dies geschah in den 1950iger Jahren in der damaligen Tschechoslowakei. Wir wurden von den damaligen Funktionären streng bewacht und schikaniert. Unsere Konzertprogramme mussten wir uns im ­vor­aus genehmigen lassen, Kompositionen von Strauss, Léhar und anderen westlichen Komponisten waren nicht erwünscht und wurden aus dem Programm gestrichen. Als wir trotzdem ein Konzert mit Melodien aus Operetten und Strauss u.a. veranstalteten, wurde ich als Verantwortlicher abgemahnt, und wir mussten unseren „Verein“ auflösen.“

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