Schmuck & Uhren

Generationen

im Dialog

JUNGE SCHMUCKKUNST IM MUSEUM
ISSP-Förderankauf eines Halsschmucks von Stephanie Hensle

Nahezu jährlich hat der Verein unter dem Motto „Junge Schmuckkunst im Museum“ einen Förderankauf getätigt. Zuletzt im Rahmen der Mitgliederversammlung im März 2017, bei der Arbeiten dreier junger Schmuckkünstlerinnen zur Auswahl ­standen. Die Mitglieder hatten die Möglichkeit, als Jury zu fungieren, und stimmten eindeutig für den Halsschmuck „dead bird“ von Stephanie Hensle.

Die Schmuckkünstlerin hat den Studiengang Schmuck und Objekte der Alltagskultur an der Hochschule Pforzheim absolviert. Sie lebt und arbeitet in Karlsruhe. Neben dem Beitrag für die Museumssammlung unterstützt ISSP mit dem Förderankauf zudem junge Schmuckkünstler mit eigenständigen und innovativen Auffassungen auf ihrem weiteren Weg im Berufsleben.

Graue Eminenzen des Schmucks

Ausstellung im Schmuckmuseum Pforzheim,
zu sehen bis 25. Februar 2018

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Hier eine kleine
Auswahl diverser Ausstellungsstücke.

Schmuckmuseum Pforzheim Jahnstraße 42,
75173 Pforzheim,
Tel. 0 72 31 / 39 21 26

 

 

Foto: Valentin Wormbs

Grau fällt auf durch Zurückhaltung. In „Pretty on Pink“ rückt es in allen Nuancen zwischen Weiß und Schwarz in den Vordergrund. Damit werden sowohl neue Materialien in Szene gesetzt, die die Schmuckkunst in ihrer jeweiligen Epoche inspirierten, als auch unterschiedliche Mentalitäten: Zurückhaltung bei Trauerschmuck aus Eisen, edles Understatement bei Diamantschmuck, kühle Nüchternheit und Rationalität bei Schmuck des Art déco oder in der Tradition des Bauhauses. Dem allem entgegen steht die Farbe Pink.

In ihrer vitalen Farbtiefe verlangt sie sofort Aufmerksamkeit. Als Purpur demonstrierte es weltliche und kirchliche Macht, und in der zeitgenössischen Mode wollte und konnte Pink regelrecht schockieren. Die Farbe kontrastiert den ausgestellten Schmuck und rückt ihn ganz „undezent“ in den Vordergrund: Neben der pinkfarbenen Stoffbespannung der Vitrinen wird der Ausstellungsraum in pinkes Licht getaucht. Das Konzept dafür hat Frank Willmann von der Pforzheimer Event GmbH umgesetzt. Für den Besucher ergibt sich daraus ein spannendes optisches Phänomen: Sobald der Pinkton auf das Auge gewirkt hat, sieht man auf den eigentlich weißen Vitrinenflächen die Komplementärfarbe türkisgrün.

„Die Ausstellungsgestaltung konzentriert sich bewusst auf Farbe als eigenständiges Thema“, erläutert Museumsleiterin Cornelie Holzach. Im Vordergrund steht der Kontrast zwischen Pink und Grau, sowohl in der Farbwirkung als auch in den jeweiligen kulturellen Bedeutungen. Farben spielen eine Hauptrolle in der künstlerischen Auseinandersetzung. Sie dominieren gestalterische Fragen in

Design und Mode. Genauer gesagt, sind es in diesem Fall sogar eher „Nicht-Farben“, die bestimmte Materialien charakterisieren: „weiße“ und graue Metalle wie Platin, Weißgold, Silber, Stahl und Eisen oder Naturmaterialien wie Perlen, Muscheln und Elfenbein. Schließlich kommen künstlich hergestellte Stoffe wie Porzellan, Beton oder Acryl ebenfalls zum Tragen. Die Bandbreite des gezeigten Schmucks umfasst deshalb historische Stücke insbesondere aus der Bronze- und Eisenzeit, dem Barock und des Art déco sowie in der Hauptsache moderne Schmuckkunst aus dem 20. und 21. Jahrhundert.

 

Kühle Brillanz und „falsche“ Juwelen

Die Faszination für Silber geht bis in die Anfänge der Metallverarbeitung zurück. Im 18. und 19. Jahrhundert war der begehrte üppigweiße Diamantschmuck noch vielfach aus Silber gearbeitet, um die Brillanz des Edelsteins zu verstärken. Durch weitere technische Errungenschaften zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann mit Louis Cartier Schmuck aus Platin seine heutige Bedeutung zu erlangen. Zur Zeit des Art déco hatten Platin und Diamanten absolute Hochkonjunktur. Um das dadurch so kostspielig gewordene Platin zu ersetzen, kamen auch Weißgoldlegierungen in Mode. Bisweilen konnten weiße und graue Edelmetalle den warmen Goldton in der Gunst der Geschmäcke übertreffen. Die Attraktivität „weißer“ Edelmetalle und –steine lässt sich besonders gut am Versuch der Imitation ablesen, neben Cut steel etwa mit Strass oder Markasit.

Mit englischem Cut Steel und Berliner Eisen wurde auch im Schmuck das Industriezeitalter eingeläutet. So kamen Preziosen für eine selbstbewusste Bürgerschicht auf, die damit ihr geschmackliches Selbstverständnis zum Ausdruck brachte. Stahl und Eisen waren keineswegs nur eine preiswerte Alternative – man schätzte den kühlen, zurückhaltenden Reiz –, sondern dokumentierten auch die künstlerische Blüte und den technischen Fortschritt in der Metallverarbeitung. Dies bildet zudem einen Bezug zum ­Jubiläumsfestival 2017 – 250 Jahre Goldstadt Pforzheim; denn die Pforzheimer Schmuckindustrie zeichnete sich besonders dadurch aus, Luxus für eine breite Käuferschicht erschwinglich zu machen, indem sie günstige, alternative Materialien mit hoher ästhetischer Wirkung einsetzte. So trug Schmuck aus industrieller Fertigung zur Demokratisierung dieses Luxusgutes bei.

 

Ethnografischer Schmuck

Auch ethnografischer Schmuck wird im modernen Kontext präsentiert: Muschelschmuck aus Papua Neuguinea, Eisenschmuck der Himba aus Namibia und Bronze-Stücke der Elfenbeinküste. Sie fallen auf durch ihr monochromes Erscheinungsbild, verbinden wir doch mit Ethnografika meist überbordende Buntheit, farbige Perlen, Federn etc. Sie kommen in dieser modernen Präsentation anders zur Geltung als in einem vermeintlich „passenden“ Kontext, der ihrer Herkunft entspräche. Der hohe Grad an Abstraktion und die damit verbundene Wirkung von Modernität, wie wir sie von zeitgenössischem westlichem Kunstschaffen kennen, verdeutlicht sich. Ihr Einfluss auf die moderne Kunst seit dem frühen 20. Jahrhundert und die Faszination, die sie auf Künstler ausübte, werden plausibel.

Wie keine andere Farbe steht Grau für die Moderne, sind doch ihre maßgeblichen Materialien wie Beton und Stahl ebenfalls grau. Insbesondere zeitgenössische Künstler wie etwa Ramón Puig Cuyàs, Katja Prins oder Ruddt Peters wenden sich zwischenzeitlich diesem Farbspektrum zu.

 

Programm:

Ausstellungs-Führung 10. Dezember 2017, 1
4. Januar und 8. Februar 2018,
jeweils 15:00 Uhr 6,50 €, ermäßigt 4,50 €

Schatzsuche mit Schmucki der Perlsau  für Familien, Kinder & Teens
Sonntag, 4. Februar 2018, 14:00 bis 14:45 Uhr · Eintritt frei

Figurentheaterstück »Facetten« für Familien, Kinder & Teens
Sonntag, 4. Februar 2018, 16:15 Uhr · Eintritt frei

Pretty on Pink

Anhänger, Bergkristall, Onyx, ­Silber, Wiwen Nilsson, Lund, 1938,
© Schmuck­museum Pforzheim [2003/3], Foto: © Rüdiger Flöter

 

Ansteckschmuck »Poetischer Raum«, Stahl, Franz-Joseph Bette, Hanau, 2007, © Schmuckmuseum Pforzheim [2008/ 35], Foto: © Winfried Reinhardt

Ring »nyi-kar-yi«,

     Bronze, Elfenbein­küste,
        Ethnie der Senufo, Sammlung
          Eva und Peter Herion,
            © Schmuck­museum Pforzheim
             [DLG ­Herion 1],
            Foto: © Petra Jaschke

Brosche, Stahl, Anton Cepka, Slowakei, ‘75, © Schmuckmuseum Pforzheim [2014/26], Foto © Petra Jaschke

Halsschmuck »Dead Bird« Messing rhodiniert  und
vergoldet, Stephanie Hensle, Karlsruhe, 2012

© Schmuckmuseum Pforzheim [2017],

ISSP-Förderankauf, Foto: © Janusz Tschech

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