Kunst & Kultur

Generationen

im Dialog

Erstes Nussknackermuseum Europas

Jürgen und Uwe Löschner, Bahnhofstr. 20 – 24,
09544 Neuhausen/Erzgebirge, Telefon 03 73 61 - 41 61

E-Mail: info@nussknackermuseum-neuhausen.de
www.nussknackermuseum-neuhausen.de

Öffnungszeiten: Mo – Fr 9 – 18 Uhr; Sa, So und Feiertage: 9 – 17 Uhr

Eintrittspreise:
Erwachsene € 4,00, Kinder €  1,50,
Gruppen (ab 15 Personen) € 2,00

Im Nussknackermuseum im erzgebirgischen Neuhausen zeigen starke Männer aus aller Welt die Zähne. Im Advent und zu Weihnachten haben die Gesellen Hochsaison. Dann kommen sie aus den dunklen Schubladen heraus und auf den Tisch – umgeben von Hasel-, Wal- und Paranüssen.

Es gibt sie noch,

die Männer mit Biss

Den Rest des Jahres fristet der gemeine Nussknacker eher ein Schattendasein. Aber nicht im erzgebirgischen Neuhausen. Dort wacht ein Prachtexemplar, ein Husar im leuchtend roten Gewand, bewaffnet mit einem Säbel und stattliche 5,87 Meter groß eine Tür -  den Eingang zu Europas erstem Nussknackermuseum.

Über 5.500 Männer mit Biss aus 30 Ländern und vier Jahrhunderten beherbergt das Museum. Gedrechselt oder geschnitzt, bemalt oder unbemalt, groß und klein, aus Holz oder anderen Materialien. Eines haben sie aber alle gemeinsam: Sie können Nüsse unterschiedlicher Größe, Härte und Herkunft knacken.

Der älteste bekannte Nussknacker ist ein gegeneinander bewegliches Händepaar aus Bronze, das um 300 vor Christus in Tarent in Italien zum Nüsse knacken benutzt wurde. Den ersten Knacker in der heute berühmten erzgebirgischen Form des bunt bemalten Königstyps drechselte der Kunsthandwerker Friedrich Wilhelm Füchtner.  Der 23. August 1844 in Seiffen Geborene entstammte einer Familie von Spielzeugherstellern. Wie seine Vorfahren erlernte auch er den Beruf des Zimmermanns. Um 1870 schuf er aus Fichtenholz den ersten erzgebirgischen Nussknacker. Die von ihm erschaffenen Gestalten mit dem großen, aufklappbaren Mund sollten Respekt einflößen. Als Vorbild diente ihm das 1851 von Dr. Heinrich Hoffmann – dem Vater des Struwwelpeter -  verfasste Bilderbuch „König Nussknacker und der arme Reinhold".

„Das oft grimmige Aussehen dieser Nussknackergesichter entspricht den Repräsentanten der damaligen Obrigkeit“, erklärt Uwe Löschner, der das Museum gemeinsam mit seinem Bruder ­Jürgen leitet. „Die Figuren stellen Förster und Gendarmen dar, Könige, Soldaten oder Husaren“, fügt er hinzu.

Erst viel später, nämlich Ende des 20. Jahrhunderts, wurden auch Berufe und Typen aus den Reihen dem einfachen Volk umgesetzt. Als Waldarbeiter, Pilzsammler und Bergmänner haben sie ihren Platz in der Sammlung, als Gastwirte, Wanderburschen, tapferes Schneiderlein und ein Froschkönig. Einige Vitrinen beinhalten neuzeitliche Nussknacker. Diese erscheinen in Gestalt von Comicfiguren, Cowboys und Micky Maus. Die Vitrinen voller Nussknacker gehen auf die jahrzehntelange Sammelleidenschaft der Familie Löschner zurück.

Den Grundstein für die Sammelleidenschaft legte Jürgen Löschner, Vater des jetzigen Mitbetreibers Uwe Löschner im Jahre 1966. „Die Gründung eines Museums war eigentlich nur eine Frage der Zeit. Bald hatten wir 4343 Exemplare zusammen – und damit den Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft. 1994 habe ich aus dem Hobby ein Museum gemacht. Inzwischen kommen jedes Jahr 20.000 bis 25.000 Besucher, vor allem erwachsene Touristen“, erzählt  der Sammler.

Nüsse gehören zur Urnahrung des Menschen, die ersten Nussknacker waren Steine und Schlagwerkzeuge. Später wurden einfache Hebelwerkzeuge erfunden, die später dekorative Formen annahmen. Im 17. Jahrhundert kamen hölzerne Nussschrauber als Spezialwerkzeuge auf den Markt. 1650 gab es im Berchtesgadener Land die ersten „Nußbeißer“ in Menschengestalt.

Die in Neuhausen ausgestellten Nussknacker stammen unter anderem  aus der Rhön, Frankreich, Schweiz, Österreich, Polen, den USA, und aus Thailand. Mehrere Vitrinen sind den Nussknackern aus dem heimischen Erzgebirge gewidmet. Schneeberger Bergleute und Steiger stehen in Reih und Glied in schwarzer Uniform und mit grünem Hut. Daneben zeigen Johanngeorgenstädter Bergmeister, ein Bergakademist und ein Ober-Berghauptmann die Zähne.

Am Ausgang, in den Glasvitrinen, befinden sich die Raritäten aus aller Welt. Ein hölzerner Bürger aus Gröden stammt von 1900 und ein Knecht aus Tirol entstand im Jahr 1910. Der kleinste Nussknacker der Welt ist leicht zu übersehen. Er misst ganze 4,9 Millimeter! Hinter dem Museumsgebäude, im Innenhof, ragt der größte Nussknacker mit über zehn Metern hoch über den Dachfirst hinaus – in historischer erzgebirgischer Bergmannsuniform, mit Hut, einem Rauschebart und großen Zähnen.

Neben dem weltgrößten Nussknacker ist im Hof des Museums auch die größte Spieldose zu bewundern. Gegen die kleine Gage von 50 Cent lässt sie – keine Überraschung – die Klänge der „Nußknackersuite“ erklingen. Nach einem Märchen von E.T.A. Hoffmann zur Musik von Peter Tschaikowskis Nussknackerballett tanzen die bis zu hundert Kilogramm schweren Figuren auf einer Plattform mit fünf Meter Durchmesser – eben Männer mit Biss!

 

Quelle: Storymacher, Text: Peter Beyer, Fotos: © Ruth Bourgeois

Uwe Löschner, Betreiber und Nussknackersammler, präsentiert stolz eine antike Figur.

Abb. unten:

Ein Husar im roten Gewand, stattliche 5,87 m groß.

Nicht ganz alltägliche „Knackis“: Johanngeorgenstädter Bergmeister,

Knecht Tirol, um 1910, und der Bürger Gröden, um 1900 (v.l.n.r.).

Im Nussknackermuseum.

Der Polizist mit Pickelhaube
hatte wohl schon manche Nuss zu knacken...

Der Eingang zu Europas erstem Nussknackermuseum.

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