Kunst & Kultur

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im Dialog

Das Melanchthonhaus in Bretten wurde 1897 an der Stelle des 1689 abgebrannten Geburtshauses des Reformators errichtet. Seitdem als Museum genutzt, wurde das im spätgotischen Stil erbaute Gebäude 2004 Sitz einer Europäischen Melanchthon-Akademie.

Gott zu Ehren,

Melanchthon zum Gedächtnis

Das Melanchthonhaus ist das wichtigste Besucherziel der 23 Kilometer nordöstlich von Karlsruhe gelegenen Stadt Bretten, die sich selbst auch Melanchthonstadt nennt. Unmittelbar am beliebten und belebten Marktplatz gelegen, erinnert das prächtige Gebäude an Leben, Werk und Wirken des hier geborenen Reformators und Humanisten Philipp Melanchthon (1497 – 1560).

Der Grundstein wurde am 16. Februar 1897 gelegt, dem 400. Geburtstag Melanchthons. Das 1903 eingeweihte Haus enthält neben Museum und einer Forschungsstelle eine der umfangreichsten Melanchthon-Spezialbibliotheken und eine Dokumentationsstelle der internationalen Melanchthonforschung. Bis zu 10.000 Besucher kommen jährlich in das Gedächtnishaus und gehen am Empfang vorbei geradewegs in die Gedächtnishalle.  In diesem sakral anmutenden Raum, der fast das gesamte Erdgeschoss einnimmt, werden zu besonderen Gelegenheiten Gottesdienste abgehalten, etwa am Reformationstag. Die raumfüllende Historienmalerei erzählt das Leben Melanchthons. Am Altar im hinteren Bereich stehen sich Philipp Melanchthon und Martin Luther gegenüber. Jedoch schaut Luther zu Melanchthon, während dieser die Zuhörer im Blick behält. An den Seiten der Halle reihen sich Reformatoren wie Johannes Brenz und Martin Butzer aneinander.

Die knarzenden Stufen gehen Besucher hinauf in das  Ober-
geschoss. Dort befinden sich fast 11.000 Bücher, 450 Auto-
graphen, Statuen, Wappen, Gemälde, Gedenkmünzen und Graphiken. Im sogenannten Städtezimmer zieren die Wappen jener 121 Städte die Decke, mit denen Melanchthon nachweislich Kontakt hatte. Von Altenburg bis Reval, im Süden bis Venedig und Siebenbürgen.

Das feierlich und ernst gehaltene Theologenzimmer erinnert an die Kirchenmänner, mit denen der Reformator befreundet war. Im Fürstenzimmer mit ­seiner prunkvollen Eichendecke (Foto oben) hängen Ölgemälde von Adeligen, die für die ­Reformationsgeschichte eine wichtige Rolle spielten. Im Humanistenzimmer schließlich begegnet man herausragenden zeitgenössischen Vertretern von Wissenschaft und Kunst. Überall in diesen Zimmern sind die Bücherschränke prall gefüllt mit „Melanchthon-Literatur“. Im Tresor finden sich Schriften,die noch aus der Zeit vor dem Buchdruck stammen. In diesen Räumen befindet sich die größte und bedeutendste Museums­bibliothek Baden-Württembergs mit wertvollen Drucken aus dem 16. Jahrhundert, ergänzt durch alte Handschriften, Münzen und Wappen.

Im Nachbarhaus, begehbar durch einen gläsernen Zwischensteg, ist die Melanchthon-Akademie untergebracht. Drehen sich Besucher nach dem Besuch des Melanchthon Hauses noch einmal um, erblicken sie an der Fassade des Museums die fünf Wappen jener Städte, in denen Melanchthon lebte – Bretten, Pforzheim, Heidelberg, Tübingen und Wittenberg. Und in goldenen Lettern prangt über den sechs Fenstern des oberen Stockwerks die Inschrift: „Gott zu Ehren, Melanch-thon zum Gedächtnis. Errichtet von der evangelischen Christenheit“.

 

Info:

Melanchthonhaus Bretten, Melanchthonstr. 1, 75015 Bretten

Telefon: 0 72 52- 94 41-0 , E-Mail: info@melanchthon.com

Öffnungszeiten: Mitte Februar - Ende November

Di – Fr: 14.00  – 17.00 Uhr, Sa, So 11.00  – 13.00 Uhr, 14.00  – 17.00 Uhr

Führungen ganzjährig nach Voranmeldung bei der Stadtinformation

Tel.: 07252/583710 (ab 5 Personen)

Öffnungszeiten an den Feiertagen:

Feiertage am Montag – geöffnet wie am Wochenende. Feiertage an anderen Wochentagen – geöffnet wie entsprechender Wochentag.

Wandgemälde geben die wichtigsten Szenen aus dem Leben Melanchthons wieder. Sie wurden von Nikolaus Müller geplant,
aber erst zwei Jahrzehnte später vom Karlsruher Professor August Groh (1871-1944) ausgeführt. Es beginnt in der Jugend Melanchthons mit einer Szene am Marktbrunnen im Gespräch mit fahrenden Schülern. Die nächste Szene spielt im Jahr 1530, eine Darstellung des Augsburger Reichstags. An diesem nahm Melanchthon als Wortführer der sächsischen Theologen teil, während Luther auf der Veste Coburg weilte. Die Szene zeigt die Übergabe des von Melanchthon verfassten „Augsburgerischen Glaubensbekenntnisses“ an Kaiser Karl V. am 26. Juni 1530. Daneben ist die Eröffnung der „Oberen Schule“ im Ägidien-Kloster in Nürnberg am 23. Mai 1526 dargestellt. Heute heißt die Schule Melanchthon Gymnasium Nürnberg. Melanchthon schreitet mit den Räten der Stadt und Gelehrten der Eröffnungsfeier. Zu ­Melanchthons Lebensaufgaben gehörte die Reformation der Schul und Universitätslebens.

Der Besuch Melanchthons in seiner Vaterstadt Bretten im Sommer 1524 ist neben einer Szene abgebildet, die Luther am Krankenbett von Melanchthon zeigt. „Martin Luther besucht seinen schwer erkrankten Freund und betet um dessen Wiedergenesung, Weimar 1540.“ Seit August 1518 standen die beiden über 27 Jahre in enger persönlichen Beziehung.

PHILIPP MELANCHTHON

wurde als Philipp Schwartzerdt (Melan-chthon = griechisch für Schwarze Erde) am 16. Februar 1497 in Bretten geboren. Er studierte – noch nicht einmal 13 Jahre alt – in Heidelberg und später in Tübingen. 1518 wurde er nach Wittenberg als Griechischprofessor berufen. Dort verband ihn ein freundschaftliches Verhältnis mit Martin Luther, dessen engster Mitarbeiter und maßgeblicher Mitübersetzer der Bibel er wurde. Ab 1529 war Melanchthon bei Reichstagen und Religions-
gesprächen offizieller Wortführer der Wittenberger Theologie – Luther selbst durfte als Geächteter nicht auf Reichsebene teilnehmen.

Zu Melanchthons wichtigen Schriften zählen die erste reformatorische Dogmatik „Loci communes“ (1521) sowie das „Augsburger Bekenntnis“ (1530), bis heute die zentrale Bekenntnisschrift aller evangelischen Kirchen. Sie wurde am 25. Juni 1530 vor Kaiser Karl V. in deutscher Sprache verlesen.

Melanchthon wird heute auch als Vater der Ökumene bezeichnet, da er bei den Gesprächen immer wieder versuchte, die Einheit der Kirche zu bewahren.

Neben theologischen Schriften verfasste Melanchthon zahlreiche Grammatiken, Lehrbücher und Übersetzungen. Über seinen intensiven Briefwechsel (über 11.000 Briefe sind bekannt) mit namhaften Persönlichkeiten Europas und seinen enormen Schülerkreis wurde er zu einem „Praeceptor Europae“ (Lehrer Europas). ­Melanchthon starb am 19. April 1560 in Wittenberg und liegt dort neben ­Luther in der Schloßkirche begraben.

Zinnmedaille von 1830. Luther (l.) und Melanchthon (r.) neben Altar stehend, zeigen auf eine aufgeschlagene Bibel. Darüber in den Wolken das strahlende Gottesauge.

Schautaler von 1730 zur 200-Jahrfeier der Confessio Augustana. Büsten Luthers und Melanchthons (mit langem Bart).

Fotos: © Ruth Bourgeois • Autor: Peter Beyer

Jugend Melanchthons mit einer Szene am Marktbrunnen.

Die nächste Szene ist eine Darstellung des Augsburger Reichstags.

 

 

 

Daneben ist die Eröffnung der „Oberen Schule“ im Ägidien-Kloster in Nürnberg am 23. Mai 1526 dargestellt.

Gläserner Steg ­zwischen Melanchthonhaus und ­Melanchthon-

gesellschaft.

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