KreisSeniorenRat

Generationen

im Dialog

Die Wohnberatung – eine
wichtige Institution für ältere und/oder behinderte Menschen
Teil 2

 

Die Wohnberatung des KreisSeniorenRats Enzkreis Stadt Pforzheim berichtet hier über die Voraussetzungen für ein ­alten- oder behinderten-
gerechtes Wohnen.

Das Wohnen im Alter ist zu einem großen gesellschaftlichen Thema geworden. Mittlerweile haben sich daher die verschiedensten Wohn- und Pflegekonzepte an die Bedürfnisse der Senioren angepasst. Diese sollen auf der einen Seite altersgerecht sein, auf der anderen jedoch auch Komfort, Selbstständigkeit, Sicherheit und Service bieten. Das ist heutzutage kein unmöglicher Kompromiss mehr! Neben dem gesundheitlichen Zustand, der familiären Situation und den individuellen Vorstellungen und Wünschen spielt auch die finanzielle Lage eine Rolle. Genauso wichtig ist aber auch der Zugang zu guten Angeboten, Ideen und fortschrittlichen Anbietern von Seniorendienstleistungen. Dieses voraus geschickt ist es von größter Bedeutung, die eigenen 4 Wände auf die Tauglichkeit des Wohnens im Alter kritisch zu prüfen.

Viele Wohnungen werden den Anforderungen im Alter nicht mehr gerecht. Häufig ist es aber möglich, mit einfachen Mitteln und geringem Aufwand die Wohnung altengerecht auszustatten, um einen Umzug in ein Heim zu vermeiden.

Die  Wohnberatung bietet älteren und behinderten Menschen Informationen, persönliche Beratung und individuelle Hilfen zu:

• allen Fragen des barrierefreien Wohnens

• zu Fragen der Unterstützung durch medizinische und technische Hilfsmittel, z. B. Installation eines Badewannenlifters, Benutzung von unterschiedlichen Gehhilfen

• zu Fragen der Wohnraumanpassung, z. B. bauliche oder technische Veränderungen bei Einschränkungen im Gehen, Installation von Handläufen, rollstuhlgerechte Naßzellen

• zu Fragen der wohnraumbedingten Sicherheit, z. B. Hausnotruf-
system, Sicherheitsvorkehrungen im Sanitär- und Küchenbereich

• zu Fragen der Finanzierung der oben genannte Maßnahmen

 

 

 

 

 

 

 

 

Löschen bevor es brennt ?
Wohnberatung bei demenziell erkrankten Menschen

Mit Blick auf den demographischen Wandel ist die Sicherstellung einer möglichst selbstständigen Lebens- und Haushaltsführung älterer, pflegebedürftiger oder behinderter Menschen eine der zentralen gesundheits- und sozialpolitischen Herausforderungen unserer Gegenwart.

 

Demenz

Einer Demenz können unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen Demenziell erkrankte Menschen sind in ihrer Alltagskompetenz weitgehend eingeschränkt. Aufgrund dieser Einschränkungen, der Vielzahl der mit der Demenz verbundenen Orientierungsprobleme und des dadurch kleineren Aktionsradius sind demenziell erkrankte Menschen stärker auf befriedigende Wohnbedingungen angewiesen, als andere Menschen.

 

Wohnprobleme beeinflussen Selbstständigkeit

Die eigene Wohnung, dient als Gedächtnisstütze und als Orientierungspunkt für identitätsstiftende Handlungen. Ein Ortswechsel bedeutet den Entzug von Vertrautheit. Es kann quasi mit dem Verlust eines Teils der Persönlichkeit gleichgesetzt werden. Die langjährig vertraute Wohnung, die mit den eigenen biographischen Erinnerungsgegenständen ausgestattet ist, ist eine wichtige Orientierungshilfe bei zunehmender Orientierungslosigkeit.

 

Charakteristische Wohnprobleme demenziell
erkrankter Menschen

Sicherheitsprobleme durch Selbst- oder Fremdgefährdung sind von besonderer Bedeutung. Es besteht die Gefahr, dass Reinigungsmittel, Medikamente und Giftpflanzen mit Lebensmitteln verwechselt und verspeist werden. Verbrühungen und Verbrennungen können durch das herabgesetzte Temperaturempfinden entstehen. Insbesondere Dritte befürchten aufgrund des Krankheitsbildes Überschwemmungen oder Wohnungsbrände durch nicht abgedrehte Wasserhähne und nicht abgeschaltete Elektrogeräte. Hindernisse wie Schwellen und Stufen, Glastüren und Fenster stellen weitere Gefahrenquellen dar, da sie häufig nicht mehr wahrgenommen werden. Dagegen werden spiegelnde, dunkle oder gemusterte Bodenbeläge oft als Hindernisse oder Löcher wahrgenommen, die Angst erzeugen. Gemusterte Tapeten oder Stoffe können ebenfalls Angst auslösen. Die Nutzung von vertrauten Ausstattungsmerkmalen der Wohnung bereitet zunehmend Probleme, da die Ausführung von mechanischen Vorgängen, wie z. B. die Betätigung der WC-Spülung verlernt wird. Zu niedrige oder zu instabile Möbel können zu Stürzen führen. Hell gestaltete Eingangsbereiche animieren zum Verlassen der Wohnung und verstärken vorhandene Weglauftendenzen. Verschlossene Türen, unzureichende Beleuchtung und mangelnde Kontraste verschlechtern die Orientierung und können Fehlwahrnehmungen zur Folge haben.

 

Wohnberatung

Die Passung zwischen den persönlichen Ressourcen und den Umweltbedingungen durch Wohnungsanpassung zu verbessern bzw. wiederherzustellen ist der zentrale Ansatzpunkt der Wohnberatung. Konkrete Wohnprobleme können durch Hilfsmitteleinsatz, Ausstattungsveränderungen, bauliche Maßnahmen, Reorganisation der Wohnbereiche, Umzug oder Wohnungstausch behoben werden. Um eine möglichst optimale Lösung zu finden, müssen sowohl die Wünsche, Bedürfnisse, Ressourcen und Einschränkungen der Person als auch die konkreten baulichen, ausstattungsbedingten und sonstigen Umweltbedingungen berücksichtigt werden. Im Rahmen der Beratung sind die Biographie und die persönlichen Eigenarten des demenziell erkrankten Menschen einzubeziehen. Die Selbstständigkeit, das Selbstwertgefühl und die Kompetenz sollen durch die Anpassungsmaßnahmen unterstützt werden. Grundsätzlich gilt es so wenig Veränderungen wie möglich vorzunehmen und freiheitsbegrenzende Maßnahmen weitmöglichst zu vermeiden.

Generell sollten Anpassungsmaßnahmen bei demenziell erkrankten Menschen behutsam und so unauffällig wie möglich vorgenommen werden. So kann z. B. im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung das eigene Spiegelbild Angst auslösen. Dann ist es sinnvoll den Spiegel zu entfernen oder mit einem Tuch zu bedecken. Insbesondere im Bereich des Badezimmers kann sich sowohl der Einsatz von „alter Technik“ als auch von „neuer Technik“ als richtig erweisen. Manche Menschen kommen im fortgeschrittenen Stadium der Demenzerkrankung mit „historischen“ Badewannen, Toilettenspülungen (deutlich sichtbare Druckspülung, Eimer mit Wasser neben der Toilette, Zugkordeln...) und Armaturen mit griffigen Kreuzgriffen bestens zurecht.

Gegenstände, die der Orientierung dienen, sollten an den vertrauten Stellen belassen werden. In allen Wohnbereichen sollten Stolper- und Gefahrenquellen entfernt und Orientierungsmöglichkeiten geschaffen werden. Die Beleuchtung sollte verbessert werden, das Licht darf weder blenden noch Schatten werfen. Bei der Farbgestaltung ist darauf zu achten, dass helle, ruhige, nicht spiegelnde Oberflächen vorhanden sind und rutschhemmende, reflexionsfreie, unifarbene Bodenbeläge verwendet werden. Unterschiedliche Farben in unterschiedlichen Räumen können die Orientierung verbessern. Die Einrichtung von Beschäftigungsecken sowie das Kennzeichnen der Kleidung mit Name und Adresse bzw. das Mitführen eines Adressenzettels auf dem die eigene Anschrift und Ansprechpartner verzeichnet sind, hat sich bewährt. Im Einzelfall kann auch der Einsatz technischer Hilfen wie z. B. Bewegungsmelder, Rauchmelder, Füllstandsmelder für Badewannen, Hausnotrufsysteme, Sturzmelder, Zeitschaltuhren für Elektrogeräte, automatische Tablettentimer, Personenortungs- oder Raumüberwachungssystemen die Sicherheit in der eigenen Wohnung erhöhen.

Quelle: Nullbarriere.de

Dieter Müller, Architekt

1. Vorsitzender

Wohnberatung & Senioren-
freundlicher Service

Die Wohnberatung des KreisSeniorenRats Enzkreis –
Stadt Pforzheim e.V. prüft richtungsweisend, gegen eine Aufwandsentschädigungsgebühr, Ihre Wohnung/Immobilie/
Planung auf Barrierefreiheit und Rollstuhltauglichkeit.

Öffnungszeiten:
Mo. – Fr. von 10 – 12 Uhr oder nach Terminvereinbarung.

Pflegestufe beantragen

Um Leistungen der Pflegeversicherung zu erhalten, bedarf es einer Antragstellung. Die Pflegebedürftigkeit wird durch die Pflegekasse festgestellt.

Wenn eine Pflegestufe beantragt wird, sollte zuvor geprüft werden, inwieweit der Pflege- und Hilfebedarf in Art und Umfang in etwa den geforderten Kriterien entspricht. Der vorhandene Pflegebedarf wird über sogenannte Orientierungswerte zur Pflegezeitbemessung in Minuten pro Tag ermittelt und in zwei Kategorien unterteilt:

• Grundpflege

• Hauswirtschaftliche Versorgung

Aus der Schwere der Pflegebedürftigkeit, bezogen auf den Aufwand an Grundpflege und der erforderlichen hauswirtschaftlichen Versorgung, ergibt sich dann die Einstufung in die entsprechende Pflegestufe 1, 2
oder 3.

 

Empfehlungen zur Beantragung einer Pflegestufe:

• Entscheidung gemeinsam mit den Angehörigen treffen.

• Einbeziehung der behandelnden Ärzte

• Unterlagen und Dokumente, die den Pflegebedarf belegen können, bereit halten, zum Beispiel Befunde, Röntgenbilder, Gutachten, Arztbriefe usw.

• Antragsformular besorgen

• Hinzuziehung fachlicher Unterstützung, zum Beispiel durch einen ambulanten Pflegedienst.

• Gewissenhafte Antragsbearbeitung und Einreichung bei der ­zuständigen Pflegekasse. Diese ­beauftragt den MDK (den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung) mit der Erstellung des Pflegegutachtens. Zunächst erfolgt das anhand der Unterlagen, danach durch einen persönlichen Besuch des Gutachters beim Antragsteller.

• Sofortige Führung eines Pflegetagebuches. In diesem werden so umfassend wie möglich die erbrachten Pflegeleistungen und Hilfestellungen dokumentiert. Das Pflegetagebuch ist eines der wichtigsten Belege für den Nachweis des tatsächlichen Pflegebedarfs!
Tipp: Zum Beispiel das Verlassen der Wohnung für Arztbesuche inklusive Wartezeit und mögliche Pflegeerschwernisse (z.B. hohes Körpergewicht des Pflegebedürftigen, Pflege nachts oder phasen­weise Hilfe durch mehrere Pflegekräfte erforderlich usw.) wirken sich positiv auf den Zeitaufwand aus.

• Zum Begutachtungstermin sollte der Pflegebedürftige nicht alleine sein. Neben Angehörigen ist es wichtig, fachkundigen Beistand zu haben (z.B. einen ambulanten Pflegedienst), die mit der persönlichen Situation des Betroffenen vertraut sind.

   Achtung! Dieser Termin ist ausschlaggebend für das Begutachtungs-
ergebnis!!! Viele Pflegebedürftige zeigen sich motiviert durch den unbekannten Besuch und geben dadurch unfreiwillig ein wesentlich besseres Bild über ihren Zustand ab, als es der Realität entspricht.

Das Ergebnis seiner Prüfung (das Pflegegutachten) übermittelt der ­Gutachter des MDK an die Pflegekasse. Diese entscheidet dann nach Aktenlage unter maßgeblichen Bezug auf das Gutachten und teilt dem Versicherten ihre Entscheidung über das Vorliegen von Pflegebedürftigkeit und der Erteilung einer Pflegestufe schriftlich mit.

Hindernisse abbauen: überlegen – qualifizieren – aufklären

Die Wohnberatungsstelle Enzkreis/ Stadt Pforzheim setzt sich für das selbstständige Wohnen älterer und behinderter Menschen in ihren ganz normalen Wohnungen ein. Die Anpassung der Wohnung an die veränderten Fähigkeiten und Wohnwünsche der Bewohner mit Hilfe der Wohnberatung steht im Mittelpunkt dieser Tätigkeit. Um diesem Ansinnen noch gerechter zu werden, befasst sich der KSR derzeit mit dem Ausbau der angegliederten Wohnberatung im Enzkreis und in der Stadt Pforzheim

 

Ausgangssituation

Im Enzkreis und der Stadt Pforzheim leben insgesamt ca. 300.000 Einwohner Davon sind ca. 100.000 Einwohner älter als 60 Jahre. Nach Schätzungen des statistischen Landesamtes Baden-Württemberg wird die Einwohnerzahl sinken, die Zahl der Einwohner über 60 Jahre wird jedoch voraussichtlich ansteigen.

Viele Bürger wohnen in „nicht barrierefreiem Wohnraum.“ Bei Mobilitätseinschränkungen bedeutet dies häufig, dass die Menschen in der eigenen Häuslichkeit nicht mehr zurechtkommen. Inzwischen gibt es zahlreiche, intelligente Möglichkeiten, den Wohnraum so umzugestalten, dass er barrierefrei oder zumindest behindertengerecht wird. Wichtig wird daher ein unkomplizierter Zugang zu Informationen und Beratungen in diesem Themenfeld.

Bisher gibt es eine Wohnberatungsstelle (50% Stelle). Interessierte Bürgerinnen und Bürger aus dem Enzkreis und der Stadt Pforzheim werden durch eine hauptamtliche und mehrere ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rund um die Themen Wohnen, Barrierefreiheit etc. beraten.

Um diesen Bedürfnissen gerecht zu werden, ist ein Ausbau und die Umstrukturierung dieses Informationsbereiches notwendig und sinnvoll.

Eine hauptamtliche Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter der Wohnberatungs­stelle wird zukünftig die ehren­amtliche Wohnberatung in den Kommunen aufbauen, schulen und begleiten.

 

Ziele der Wohnberatungsstellen

Verbesserung der individuellen Beratung und Versorgung sind das Ziel. Die Wohnberatungsstellen sollen durch frühzeitige Information und Beratung über die unterschiedlichen Angebote und durch die Begleitung der rat- und hilfesuchenden Menschen zur Verbesserung einer individuellen Versorgung beitragen – auch unter Einbeziehung von AAL.

 

Was sind technische Assistenzsysteme?

Neue technologische Ansätze sollen die Umgebung (= ambient) des Menschen informationell erschließen und sie dem Menschen kommunikativ dienstbar machen.

Ambient Assisted Living (AAL) kann wie folgt definiert werden: „Unter Ambient Assisted Living (AAL) werden Konzepte, Produkte und Dienstleistungen verstanden, die neue Technologien und soziales Umfeld miteinander verbinden und verbessern mit dem Ziel, die Lebensqualität für Menschen in allen Lebensabschnitten, vor allem im Alter, zu erhöhen. Übersetzen kann man AAL am besten mit Altersgerechte Assistenzsysteme für ein gesundes und unabhängiges Leben.

AAL-Anwendungen reichen von ­auto­matischen Schaltern für Licht, Heizung, Fenster, Bügeleisen, über Sensoren und Kameras bis hin zur Überwachung der häuslichen Aktivitäten älterer und pflegebedürftiger Menschen. Komplexere Assistenz­systeme können Vitalparameter überwachen oder gar Vitalfunktionen steuern. ­Außerdem wird auch an sogenann­ten Service- oder Pflegerobotern gearbeitet.

Die anvisierten Lösungen sind nicht als Einzellösungen zu verstehen, sondern als ein systemtechnologischer Ansatz, bei dem über Informations- und Kommunikationstechnologien alle Anwendungen miteinander vernetzt und aufeinander abgestimmt werden sollen. So vernetzt das „Smart Home“, das intelligente Wohn­umfeld, in seiner maximalen Variante medizinisch-pflegerische Unterstützung mit solcher der Haushaltsführung und der Kommunika­tion sowie der Unterstützung der ­Aktivitäten des täglichen Lebens.

Technische Assistenzsysteme versprechen Sicherheit und Entlastung für ältere, kranke und behinderte Menschen in ihrer eigenen Häuslichkeit. Als Begründung für ihren Einsatz wird meist angeführt, dass sie kostengünstiger als personale ­Hilfen sind, keinen Urlaub fordern, an individuelle Bedürfnisse angepasst werden können und nicht zuletzt die Beschämung, die mit der Inanspruchnahme personaler Hilfe verbunden sein kann, verringern. Zudem stehen sie dort zur Verfügung, wo aufgrund von Personalmangel sonst keine Hilfe geleistet werden kann, zum Beispiel im ländlichen Raum, der schon heute mit Ärztemangel und Defiziten in der Gesund­heitsversorgung zu kämpfen hat.

 

Und wie lässt sich Vorgenanntes finanzieren?
Neu aufgelegt: KfW-Zuschuss „Alters­gerecht Umbauen & Leben“

Endlich ist er wieder da: der KfW-Investitionszuschuss „Altersgerecht Umbauen“. Ab dem 1. Oktober 2014 müssen Eigenheimbesitzer und Mieter nicht mehr zwangsläufig einen Kredit aufnehmen, wenn sie die Beseitigung von Barrieren in ihrer Wohnung nicht vom Ersparten bezahlen können. Stattdessen können sie einen Zuschuss bei der KfW-Förderbank beantragen.

 

1. Thema: Demenz

2. Thema: Pflegestufe beantragen

3. Thema: Hindernisse abbauen
für ein selbst-
ständiges Wohnen

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